Werner Pawlok - Bilder, Werke und Fotografie Werner Pawlok

Werner Pawlok


Hintergrundinformationen zu Werner Pawlok

Einführung

Werner Pawlok fotografiert Orte, als hätten sie ein Gedächtnis. In seinen Bildern wird sichtbar, was sich zwischen Mauern, Menschen und Landschaften abgelagert hat: Geschichte und Gegenwart, Glanz und Vergänglichkeit, Spuren gelebten Lebens. Ob in Havanna, Venedig, New Orleans oder auf Sizilien – Pawlok sucht nicht nach dem repräsentativen Bild eines Ortes. Er sucht nach dem Moment, in dem dieser etwas von sich preisgibt.

Diese Aufmerksamkeit für das Wesen dessen, was ihm begegnet, prägt seine Arbeit seit ihren Anfängen. Als Sechzehnjähriger griff der gebürtige Stuttgarter zur Kamera, um 1969 sein Idol Jimi Hendrix auf der Bühne zu fotografieren. Es folgten internationale Arbeiten in Kampagnen/Werbefotografie, eindringliche Polaroid-Porträts und experimentelle Werkgruppen wie seine „Photography Paintings“. Mit großformatigen Polaroids und eigens entwickelten Transfers auf Büttenpapier überschritt Pawlok früh die Grenze zwischen Fotografie und Malerei. Technische Verfahren sind für ihn dabei nie Selbstzweck. Sie erweitern die Möglichkeiten seines Sehens.

Gerade in seinen freien Projekten löste sich dieser Blick von Auftrag und Erwartung. In ihnen wird die Kamera zum Instrument einer Annäherung: Pawlok dokumentiert Orte nicht vollständig, sondern verdichtet sie zu einer Erfahrung.

In „Cuba – expired“ richtet er seinen Blick auf die verfallenden Paläste Havannas. Wo einst die kubanische Zuckeraristokratie residierte, erzählen verwitterte Wände, verblasste Farben und zurückgelassene Interieurs von vergangenem Glanz. Abwesenheit wird hier zu einer besonderen Form von Anwesenheit: Die menschenleeren Räume tragen die Spuren ihrer Bewohner weiter in sich. Pawlok konserviert den Verfall nicht. Er hält jenen Zustand fest, in dem Vergangenheit noch gegenwärtig scheint.

Mit „Dimore Veneziane“ setzt sich diese Spurensuche in Venedig fort. Pawlok erhält Zugang zu privaten Palazzi und damit zu einem Venedig jenseits der bekannten Ansichten. Seine Fotografien führen hinter verschlossene Türen, in Räume, deren Stoffe, Ornamente und Patina von Jahrhunderten erzählen. Das Intime wird historisch, das Historische intim.

An diesen Werkkomplex schließt „Sicilia – Augenblicke im Licht“ unmittelbar an. Innerhalb seiner umfassenden Annäherung an die Insel konzentriert sich die bei LUMAS präsentierte Auswahl auf ihre historischen Palazzi. Wieder begegnet Pawlok Räumen, die Geschichte nicht ausstellen, sondern in sich tragen. Architektur, gealterte Oberflächen und ornamentale Details verdichten sich zu stillen Zeugnissen vergangener Epochen.

Dabei wird das Licht zum Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Pawlok beschreibt es selbst als ein Element, das formt, überzeichnet, hervortreten und wieder verschwinden lässt. In den sizilianischen Palazzi legt es sich auf Wände und Möbel, zeichnet Spuren nach und holt Details aus dem Halbdunkel hervor. Der Raum wird so nicht zum historischen Schaustück, sondern zu einem lebendigen Speicher von Erinnerung.

Gerade darin zeigt sich die Verbindung zu „Dimore Veneziane“ und „Cuba – expired“. Pawlok interessiert nicht allein die Pracht historischer Interieurs, sondern das Verhältnis von Schönheit und Vergänglichkeit, Präsenz und Abwesenheit. Seine Räume erzählen nicht durch Inszenierung, sondern durch das, was geblieben ist. In Licht, Farbe und Oberfläche wird Zeit sichtbar.

Auch ‚New Orleans – undercurrent‘ führt diese Spurensuche weiter – in einer Stadt, deren Vergangenheit nicht abgeschlossen hinter ihr liegt. Historische Interieurs, Bars und private Räume werden zu Resonanzkörpern einer vielschichtigen Kultur. Schon der Titel benennt, was ihn interessiert: die Strömung unter der sichtbaren Oberfläche. Seine Bilder erzählen nicht allein davon, wie ein Ort aussieht, sondern davon, was in ihm fortwirkt.

Mit „Greenhouses – Cathedrals for Plants“ öffnet Pawlok einen anderen, doch verwandten Raum. In historischen Gewächshäusern begegnen sich Natur und Architektur, organisches Wachstum und konstruierte Ordnung. Unter Glas entstehen lichte Zwischenwelten, in denen exotische Pflanzen und filigrane Konstruktionen ineinandergreifen. Selbst die hohe Luftfeuchtigkeit, die das Fotografieren erschwerte, wurde Teil des Prozesses: Pawlok reagiert auf die Bedingungen eines Ortes, statt sie seinem Bild unterzuordnen.

Pawloks Werk umfasst Porträt und Landschaft, Architektur und Vegetation, Menschen und menschenleere Räume. Zusammengehalten wird diese Vielfalt nicht durch ein einzelnes Motiv, sondern durch eine Haltung. Er nähert sich der sichtbaren Welt, um das aufzuspüren, was sich nicht ohne Weiteres abbilden lässt: Atmosphäre, Erinnerung, die Eigenart eines Ortes.

Seine Fotografien erklären nicht. Sie lassen etwas nachwirken.

Werner Pawlok hält nicht einfach fest, was vor seiner Kamera liegt. Er wartet auf den Augenblick, in dem hinter dem Sichtbaren etwas anderes sichtbar wird.

Vita

1953geboren in Stuttgart, Deutschland
1977-78Dozent an der Akademie der Künste, Stuttgart, Berlin
1980Gründer der ersten Fotografiegalerie in Süddeutschland
1988-89erstes Studio in New York, USA
lebt und arbeitet in Stuttgart, Deutschland

Ausstellungen

2021Master Pieces, MAC 2 Museum Art + Cars, Singen, Deutschland
2018Master Pieces, Grand Basel, Basel, Schweiz
Cuba – expired, Lumas Gallery, Singapore; Melbourne, Australien
2016Cuba – expired, Lumas Gallery, Singapore; Dubai, UAE, Berlin, Deutschland; Wien, Österreich
2015Cuba – expired, Lumas Gallery, Moskau, Russland; Riga, Lettland; Mailand, Italien, Salzburg, Österreich
2014Cuba – expired, Lumas Gallery, Amsterdam, Niederlande; Paris, Frankreich, Düsseldorf, Deutschland
2013Cuba – expired, Lumas Gallery, London, UK
Five Days Paris, Rolls Royce London, London, UK
views – faces of literature, Art Week Hamburg Brahms Kontor, Hamburg, Deutschland
2013views - faces of literature, Art Week, Hamburg, Deutschland
2012Werner Pawlok Fotografien, Kunsthalle Messmer, Riegel, Deutschland
views – faces of literature, Literaturhaus Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
2010moving cities, G3 Gallery, Hamburg, Deutschland
2009Werkschau / Retrospektive, Galerie Andreas Baumgartl, München, Deutschland
2007Views - faces of literature, Porsche, Stuttgart, Deutschland
1999Dantes Commedia, Galerie Tobias Hirschmann, Frankfurt, Deutschland
1998Master Pieces, Museum of Modern Art, Ljubljana, Slowenien
1997Dantes Commedia, Galerie Benden + Klimczak, KöIn, Deutschland
Master Pieces, Art Festival, Birmingham, USA
1996Transfers, Gallerie Raab Boukamel, Lonodn, UK; Contemporary Art Gallerie Zürich, Schweiz
1994Crying Animals, Galerie Hans Mayer, Düsseldorf, Deutschland
1993Stars & Paints, Musée de l’Elysée, Lausanne, Schweiz
Transfers, Second Photobienale India, Neu Dheli, Indien
1992Master Pieces by Mercedes-Benz (tour opening), Mercedes-Benz Museum, Stuttgart, Deutschland
Transfers, Musée de l’Elysée, Lausanne, Schweiz
1991Photography Paintings, Fotografie Forum, Frankfurt; Kulturverein Zehntscheuer Rottenburg; Forum Böttcherstraße Bremen; Kunstverein Heidelberg, Heidelberg; Städtische Galerie Erlangen, Photogalerie Bordenau, Neustadt; Galerie 6x7, Mainz, Deutschland; Kunsthalle Innsbruck II, Innsbruck, Österreich
2022Galerie Stihl, Gunter Sachs Kamerakunst, Waiblingen, Deutschland
2021Warum denn in die Ferne... oder In 18 Büchern..., Kunstverein Esslingen, Esslingen, Deutschland
LOOK!, Museum Marta Herford, Herford, Deutschland
2019Daguerreotypie, Autochrom, Polaroid.1/1“ , Pushkin Museum of Fine Arts, Moskau, Russland
Persona, Estudio Pablo de Lillo, Oviedo, Spanien
Gunter Sachs Kamerakunst, Kunsthalle, Schweinfurt, Deutschland
2015Le Bord de Mondes, Palais de Tokyo, Paris, Frankreich
2014Blütezeit, Kunstsammlung DZ Bank, Frankfurt, Deutschland
2013Sammlung Gunter Sachs, Kunsthalle Schweinfurt, Deutschland
Leigh Bowery, Espace Culturel Louis Vuitton, Paris, Frankreich
2012XTRAVAGANZA, Staging Leigh Bowery, Kunsthalle Wien, Österreich
Polaroid, The Finnish Museum for Photography, Helsinki, Finnland
2011Photography in the fast lane, Galerie der Stadt Sindelfingen, Deutschland
Light my fire, Nimbus Group Mock-up, Stuttgart, Deutschland
Psychadelic Record Sleeves, Duncan Smith Gallery, Stuttgart, Deutschland
2009Australia‘s Bushfire Exhibition, McCulloch Gallery, Melbourne, Australien
25 Jahre Fotoforum Frankfurt, Fotoforum Frankfurt, Frankfurt Deutschland
2008The big picture I + II, Oliver Gordon Gallery, Toronto, Kanada
2006Accrochage, Gallery Andreas Baumgartl, München, Deutschland
2003Photography in Advertising, Design Center, Malmö, Schweden
2000Images Beyond the naked eye, Museo, Den Haag, Niederlande
1998Augenlust, Kunsthaus Hannover, Deutschland
1996Rosen, Tulpen, Nelken, Gallery Tobias Hirschmann, Frankfurt, Deutschland; Contemporary Art Gallery, Zürich, Schweiz
natur¿, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, Deutschland
Liebe und Poesie, Gallery Tobias Hirschmann, Frankfurt, Deutschland
1993Milk Glas, Chicago Athenaeum Museum of Design, Chicago, USA
Columbus / Artists United for Nature, Sony Headquater, Tokyo, Japan
1991Coulour, Hamilton ́s Gallery, London, UK
Das Goldene Zeitalter, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, Deutschland

Interview

IM GESPRÄCH MIT DEM EINZIGARTIGEN UND IKONISCHEN WERNER PAWLOK

Wie kamst Du zur Kunst: Wie hat alles begonnen?
Für mich ist Kunst in erster Linie ein Gefühl. Kunst definiere ich für mich mit Leben, nicht mit Galerien, Sammlern, Geld, etc. Jeder Tag bringt neue Eindrücke, die bei mir Gefühle hinterlassen, die sich dann irgendwann formen und in Energie wandeln und mich dazu bringen, sie in Bilder umzusetzen. Dieses Gefühl kenne ich schon seit meiner frühesten Jugend, und da hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert. Angefangen hatte alles mit einer Kamera, die ich in jungen Jahren zum Geburtstag von meinen Eltern geschenkt bekam. Es war der direkte Weg, Beobachtungen in Bilder umzusetzen.

Kannst du uns Deinen Arbeitsprozess beschreiben?
Grundsätzlich sind meine Arbeitsprozesse immer unterschiedlich. Es ist abhängig von der Aufgabe, die ich mir gestellt habe. Zudem entscheide ich mich vor Beginn einer Serie für das technische Equipment, welches ich gerne benutze – und da spielt es wiederum eine Rolle, ob es neue, innovative technische Entwicklungen gibt, die ich gerne in meine Prozesse einfließen lasse. Hier liebe ich das Risiko, immer wieder neu, immer wieder anders. Ganz wichtig ist es für mich, Arbeitsprozesse vollständig zu verstehen, um diese auch im Detail und nach meiner Vision umzusetzen.

Welche Menschen inspirieren Dich?
Durch meine Aufenthalte in Venedig hatte ich kürzlich die Chance auf der Architektur Biennale im spanischen Pavillon die Installation Uncertainly (Ungewissheit) zu sehen, die mich sehr beeindruckt hat. Die raumfüllende Installation aus tausenden Blättern hat trotz ihrer Dichte eine unglaubliche Leichtigkeit, obwohl sie auf die Pandemie und die spanische Immobilienblase anspielt. Geschaffen von Itziar Okariz und Sergio Prego.

Welche Künstler/Kunstwerke beeindrucken Dich im Moment besonders?
Es sind eher die Klassiker der Fotografie, die mich immer wieder neu beeindrucken. Man Ray, Erwin Blumenfeld und Irvin Penn, um ein paar Namen zu nennen.


Was macht ein gutes Kunstwerk aus?
Wenn ich mit dem Ergebnis meines kreativen Prozesses zufrieden bin und natürlich auch, wenn es vom Ausstellungsbesucher akzeptiert wird. Wenn ich dann auch noch meine Bilder in Museen wie im Palais de Tokyo, oder im Espace culturel von Louis Vuitton, im Musée de l‘Elysée in Lausanne, oder in der Kunsthalle in Wien hängen sehe, ist dies eine schöne Bestätigung meiner Arbeit.

Was soll Kunst bewirken? 
Vor allem inspirieren!

An welchem Projekt arbeitest Du zurzeit?
Zurzeit arbeite ich an meinem neuen Buch New Orleans UNDERCURRENT. Nachdem meine letzten zwei Bücher Dimore Veneziane, mein fotografischer Liebesbrief an Venedig und das Buch Greenhouses CATHEDRALS FOR PLANTS, eine Reise durch Europa zu den schönsten Glashäusern abgeschlossen sind, nimmt mich New Orleans voll in seinen Bann. Sie ist zweifellos eine der faszinierendsten Städte der Vereinigten Staaten. Die pulsierende Metropole des Südens ist reich an Geschichte, Kultur und kulinarischen Genüssen. Ihre einzigartige Atmosphäre zu erleben ist ein Abenteuer für alle Sinne. Darüber ein Buch zu machen bereitet mir große Freude. Sowohl in der Bildsprache als auch von der thematischen Breite der Motive unterscheidet es sich sehr von meinen bisherigen Projekten. 


Macht Kunst glücklich?
Es ist nicht die Kunst, es ist das Leben, was glücklich machen sollte, und da wiederum gehört die Kunst unbedingt dazu!


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