Marina Abramović - Bilder, Werke und Fotografie

Marina Abramović


Hintergrundinformationen zu Marina Abramović

Einführung

Marina Abramović zählt zu den einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. Seit den 1970er-Jahren hat sie die Performancekunst entscheidend geprägt und den eigenen Körper zu ihrem zentralen Medium gemacht. International steht ihr Name für eine Kunst, die nicht nur betrachtet, sondern existenziell erfahren wird. Wie stark ihre Anziehungskraft bis heute ist, zeigt auch der aktuelle Andrang auf ihre Berliner Ausstellung Balkan Erotic Epic im Gropius Bau, die erneut ein breites Publikum weit über den klassischen Kunstbetrieb hinaus mobilisiert hat.

Was Marina Abramović von vielen anderen Künstlerinnen ihrer Generation unterscheidet, ist die Konsequenz, mit der sie körperliche und psychische Grenzen auslotet. Früh wurde sie mit Werken bekannt, die bis heute legendär sind: In Rhythm 0 von 1974 stellte sie sich in Neapel sechs Stunden lang regungslos dem Publikum zur Verfügung und legte 72 Objekte bereit, darunter auch Messer, Peitsche, Pistole und Kugel. Die Besucher durften mit ihr tun, was sie wollten – ein Werk von schockierender Radikalität über Macht, Aggression, Verantwortung und die Verletzlichkeit des Körpers.

Ebenso berühmt wurde Rest Energy von 1980, ihre Zusammenarbeit mit Ulay: Beide halten einen gespannten Bogen, dessen Pfeil direkt auf Abramovićs Herz gerichtet ist. Schon wenige Minuten dieser Performance genügen, um ein Maximum an Spannung, Vertrauen und Gefahr spürbar zu machen. Abramović selbst bezeichnete gerade Rhythm 0 und Rest Energy als zwei der schwierigsten Arbeiten ihres Lebens, weil sie in beiden Situationen nicht mehr vollständig die Kontrolle hatte.

Hinzu kommen Arbeiten wie Imponderabilia, bei der Besucher sich zwischen zwei nackten Körpern durch einen engen Durchgang bewegen mussten, oder Lips of Thomas, eine ebenso körperlich wie symbolisch aufgeladene Performance, in der sich biografische, politische und religiöse Ebenen verdichten. Und mit Balkan Baroque, der Arbeit, für die sie 1997 bei der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, schuf Abramović schließlich ein Werk von beklemmender Wucht über Gewalt, Erinnerung und historische Schuld.

Spätestens mit The Artist Is Present im New Yorker MoMA wurde Abramović auch für ein weltweites Massenpublikum zur Ikone. Für diese Arbeit saß sie während der Ausstellung über 700 Stunden schweigend Besuchern gegenüber und verwandelte reine Präsenz in ein intensives, oft zutiefst emotionales Erlebnis. Diese Reduktion auf Blick, Dauer, Stille und Begegnung zeigt exemplarisch, worum es Abramović in ihrem Werk immer wieder geht: um Aufmerksamkeit, Hingabe, Disziplin und die große emotionale Kraft radikaler Einfachheit.

Die Edition Maria/Marina führt zentrale Linien dieses außergewöhnlichen Schaffens auf besonders zugängliche Weise zusammen. Das Werk ist eine Hommage an die Opernikone Maria Callas, zu der Abramović seit ihrer Kindheit eine tiefe Verbindung empfindet. Auf dem Motiv hält die Künstlerin ein Bild von Callas so vor sich, dass sich beide Profile zu einer einzigen Erscheinung fügen. Aus zwei Ikonen wird ein Gesicht, aus Verehrung wird Identifikation, aus Erinnerung ein ebenso stilles wie starkes Bild über künstlerische Nähe, Projektion und Selbstentwurf.

Gerade darin liegt die besondere Qualität dieser Edition: Sie übersetzt das oft extreme, körperlich fordernde Werk Abramovićs in ein konzentriertes Bild von großer Ruhe und Tiefe. Das Schwarz-Weiß verleiht dem Motiv zeitlose Klarheit, während die zerrissene und neu gefügte Bildform eine psychologische Spannung erzeugt, die weit über das Porträt hinausweist. Maria/Marina ist nicht laut, aber hoch aufgeladen – eine Arbeit mit echter Präsenz, die in einem Raum kulturelle Gravitas, emotionale Intensität und zugleich große Eleganz entfaltet.

Zugleich eröffnet die Edition einen idealen Zugang zu Abramovićs Werk insgesamt. Denn Maria Callas ist für sie weit mehr als eine bewunderte Sängerin: Abramović widmete ihr mit 7 Deaths of Maria Callas sogar ein eigenes Opernprojekt. Maria/Marina verdichtet diese langjährige Auseinandersetzung zu einem Bild, das intim und ikonisch zugleich wirkt. Für Sammlerinnen und Sammler ist diese Edition deshalb weit mehr als ein Porträt: Sie ist ein starkes Statement über Hingabe, Identität, weibliche Größe und die Kraft künstlerischer Selbstverwandlung.

Vita

Marina Abramović ist eine serbische Performancekünstlerin, die 1946 in Belgrad geboren wurde und zu den bedeutendsten Vertreterinnen der Performancekunst weltweit zählt. Sie studierte von 1965 bis 1970 an der Akademie der Bildenden Künste in Belgrad und setzte ihre Ausbildung anschließend von 1972 bis 1976 an der Akademie der Bildenden Künste in Zagreb fort.

Ihr Werk konzentriert sich seit den 1970er-Jahren auf Performancekunst, in der sie den menschlichen Körper, Ausdauer, Schmerz und Präsenz ins Zentrum stellt. Ebenso untersucht sie die Beziehung zwischen Künstlerin und Publikum sowie Formen spiritueller und meditativer Erfahrung innerhalb der Kunst.

Internationale Bekanntheit erlangte Abramović mit frühen Schlüsselwerken wie Rhythm 0 (1974), in dem sie sich dem Publikum vollständig auslieferte, sowie durch ihre Zusammenarbeit mit dem Künstler Ulay zwischen 1975 und 1988. Gemeinsam entwickelten sie bedeutende Performances wie Rest Energy und The Lovers, die sich intensiv mit Vertrauen, Beziehung und körperlicher Grenzerfahrung auseinandersetzen. Weitere wichtige Arbeiten dieser Zeit sind unter anderem Imponderabilia (1977) und der symbolisch aufgeladene Abschluss ihrer Zusammenarbeit mit dem Great Wall Walk im Jahr 1988.

1997 wurde sie auf der Biennale von Venedig für ihr Werk Balkan Baroque mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, einer eindringlichen Auseinandersetzung mit Gewalt, Erinnerung und historischer Schuld. Einen weiteren Höhepunkt ihrer Karriere markierte 2010 die Performance The Artist Is Present im Museum of Modern Art in New York, bei der sie über 700 Stunden still sitzend mit Besucherinnen und Besuchern interagierte und damit weltweite Aufmerksamkeit erlangte.

Neben ihrer künstlerischen Praxis ist Abramović auch institutionell aktiv. Sie gründete das Marina Abramović Institute (MAI), das sich der Entwicklung von Langzeit-Performance und Bewusstseinsarbeit widmet, sowie der Vermittlung der sogenannten „Abramović Method“. Bis heute arbeitet sie international an Performances, Ausstellungen und Projekten, die sich mit Präsenz, Wahrnehmung und kollektiver Erfahrung beschäftigen.

Auszeichnungen

2025Praemium Imperiale – Japan Art Association, Tokio
2023Sonning Prize – Universität Kopenhagen, Kopenhagen
2022Commander, Ordre des Arts et des Lettres – Frankreich
2021Princess of Asturias Award for the Arts – Oviedo / Spanien
2021Golden Medal for Merits – Republik Serbien
2013Officer, Ordre des Arts et des Lettres – Frankreich
2011Honorary Royal Academician – Royal Academy, London
2008Austrian Decoration of Honor for Science and Art – Österreich
2005Best Exhibition of Time-Based Art – United States Art Critics Association, New York
1997Goldener Löwe – La Biennale di Venezia, Venedig

Ausstellungen

2026Marina Abramović: Transforming Energy – Gallerie dell’Accademia, Venedig
2026Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Exhibition – Gropius Bau, Berlin
2026Marina Abramović: Seven Deaths – Frederiksbergmuseerne / Cisternerne, Kopenhagen/Frederiksberg
2026Balkan Erotic Epic – Gran Teatre del Liceu, Barcelona
2025ART VITAL – 12 Years of Ulay / Marina Abramović – Cukrarna Gallery, Ljubljana
2025Marina Abramović – Galleri F15, Moss
2025Balkan Erotic Epic – Factory International, Manchester
2025Marina Abramović – Albertina Modern, Wien
2025Marina Abramović: Thomas Lips 1975 – Galerie Krinzinger, Wien
2025Counting the Rice – Centre Pompidou-Metz, Metz
2024Marina Abramović: Transforming Energy – The Modern Art Museum (MAM) Shanghai, Shanghai
2024Healing Frequency – Moco Museum London, London
2024Between Breath and Fire – gres art, Bergamo
2024GENERATOR – Usina de Arte, Pernambuco
2024Marina Abramović – Kunsthaus Zürich, Zürich
2024Marina Abramović – Stedelijk Museum, Amsterdam
2023Marina Abramović – Royal Academy of Arts, London
2023Energy Clothes – Galerie Krinzinger, Wien
20237 Deaths of Maria Callas – London Coliseum, London
2022Marina Abramović: Gates and Portals – Modern Art Oxford, Oxford
2021Marina Abramović: That Self / Our Self – Kunsthalle Tübingen, Tübingen
2020Akış / Flux – Sakıp Sabancı Museum, Istanbul
2019The Cleaner – Museum of Contemporary Art Belgrade, Belgrad
2017The Cleaner – Moderna Museet, Stockholm
2015Private Archaeology – Museum of Old and New Art (MONA), Berriedale/Hobart
2015Marina Abramović: In Residence – Pier 2/3, Sydney
2014512 Hours – Serpentine Gallery, London
2010The Artist Is Present – Museum of Modern Art, New York
2005Marina Abramović – Solomon R. Guggenheim Museum, New York

2025Kochi-Muziris Biennale – Kochi/Kerala 
2025Stillness in the storm – Museum Voorlinden, Wassenaar
2025A conversation without words – Musée Jenisch Vevey, Vevey
2025Bounding Histories. Whispering Tales – Art Encounters Biennial, Timișoara
2025Freeing the Voices – Kunsthaus Graz, Graz
2024Invisible Luggage – The Historic Hampton House, Miami
2024Opening Fresh Window. The Art of Display & Display of Art – Museum Tinguely, Basel
2024The Spirits of Maritime Crossing – Palazzo Smith Mangilli Valmarana, Venedig
2023Extreme Tension. Art between Politics and Society: Collection of the Nationalgalerie 1945–2000 – Neue Nationalgalerie, Berlin
2004Whitney Biennial – New York
1997La Biennale di Venezia – Venedig
1992documenta IX – Kassel
1982documenta 7 – Kassel
1977documenta 6 – Kassel
1976La Biennale di Venezia – Venedig