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In Neon, Pastell und Glitzer schafft die australische Künstlerin Kate Shaw überbordend opulente Landschaften von psychedelischer Anmutung. Als Betrachter wähnt man sich auf einem fremden Planeten… weiterlesen
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Picasso sagte einmal: "Kunst macht man nicht, man findet sie". Wo findest du deine Kunst?
Ich finde meine Kunst in den stillen Momenten – zwischen den Dingen, in den Rissen des Alltags. Manchmal ist es ein flüchtiger Schatten, manchmal ein Gespräch, das ich zufällig auf der Straße aufschnappe. Auf Phillip Island umgibt mich ständig die rohe Schönheit der Natur – windumtoste Küsten, ausdrucksstarke Bäume, ziehende Vögel. Diese Landschaft ist zugleich fragil und kraftvoll – und prägt alles, was ich tue. Kunst ist für mich weniger etwas, das man erfindet, als etwas, das man aufdeckt.
Von der Idee bis zu ihrer Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeit heran?
Oft beginnt es mit einem Gefühl oder einer Frage. Ich weiß nicht immer, wonach ich suche, aber ich spüre, wenn etwas in mir Resonanz erzeugt. Das Leben an einem Ort, der so stark mit den Rhythmen der Natur verbunden ist, bringt viele Ideen hervor – ausgelöst durch Jahreszeitenwechsel, ökologische Veränderungen oder den emotionalen Eindruck von Licht oder Struktur. Ich skizziere grob, sammle Referenzen – Gedichte, Fotos, wissenschaftliche Texte – und beginne zu schichten. Mein Prozess ist intuitiv und körperlich – ich lasse mich vom Material genauso leiten wie von der Idee.
Was ist dein Lieblingsbuch?
Schwer zu sagen – aber The Overstory von Richard Powers hat mich tief berührt. Es verbindet ökologisches Bewusstsein mit persönlichen Geschichten auf eine Weise, die sowohl dringlich als auch schön ist. Es zeigt die Verbundenheit allen Lebens – etwas, das ich hier auf Phillip Island täglich erlebe.
Mit welchem Künstler würdest du gerne mal einen Kaffee trinken und worüber würdet ihr reden?
Mit Tracey Emin. Ich bewundere ihre Kompromisslosigkeit – im Leben wie in der Kunst. Ich würde mit ihr über Verletzlichkeit, Ausdauer und darüber sprechen wollen, was es bedeutet, einfach weiterzumachen, egal was passiert. Wahrscheinlich würden wir darüber reden, wie sich Erinnerungen, Orte und Schmerz in Stärke und Ausdruck verwandeln lassen.
Wie bist du zur Kunst gekommen?
Das war kein einzelner Moment – eher ein langsames Entfalten. Als Kind habe ich unaufhörlich gezeichnet. Aber erst als ich begann, die Komplexität der Welt bewusster wahrzunehmen, erkannte ich, dass Kunst ein Mittel sein kann, Dinge zu begreifen, Fragen zu stellen – und zu heilen. Mit der Zeit wurde sie zu einer Lebensweise. Und schließlich zu einem Leben.
Wer sind die Menschen in deinem Umfeld, die dich beeinflussen?
Natürlich andere Künstler – aber auch Gärtnerinnen, Wissenschaftler, Kinder und Menschen, die mit ihren Händen arbeiten. Hier auf Phillip Island inspirieren mich vor allem Naturschützer und lokale Ökologen, die dieses einzigartige Ökosystem bewahren. Und meine Freund:innen, die versuchen, bewusster zu leben und sich dem Tempo der modernen Welt zu entziehen – sie beeinflussen mich mehr, als ihnen bewusst ist.
Stell dir vor, du hättest eine Zeitmaschine. Wohin würdest du gehen?
Ich würde in die ferne Zukunft reisen, um zu sehen, was aus unserem Planeten geworden ist – und ob wir gelernt haben, in Einklang mit ihm zu leben. Oder in einen prähistorischen Wald – um die Erde in ihrem wildesten Zustand zu erleben, lange bevor der Mensch sie veränderte.
Abgesehen von der Kunst, wofür interessierst du dich am meisten?
Definitiv Ökologie. Das Leben auf Phillip Island vertieft diese Verbindung täglich. Ich liebe auch das Geschichtenerzählen in all seinen Formen – Film, Musik, Mythos – und interessiere mich für die Räume, die wir bewohnen: wie wir sie formen und wie sie uns prägen.
Woran arbeitest du im Moment?
Ich lebe auf Phillip Island, das größtenteils unter Naturschutz steht. Die Bäume hier sind außergewöhnlich – verdreht, widerstandsfähig und voller Charakter. Sie scheinen Geschichten in ihren Ästen zu tragen. Aktuell arbeite ich an einer Serie von Gemälden, in denen ich diese Bäume als lebendige Zeugen erforsche – für Zeit, Wetter und menschlichen Einfluss. Es ist ein meditativer Prozess, der mir erlaubt, sowohl über die Umwelt als auch über meinen Platz in ihr nachzudenken.