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Olivia Mazzolas Fotografie bewegt sich in einem Zwischenraum: zwischen Klarheit und Auflösung, Präsenz und Andeutung. Ihre monochromen Porträts lassen Eleganz in Abstraktion übergehen und entziehen sich bewusst dem Dokumentarischen.…
Die monochromen Fotografien der Künstlerin aus Mailand bewegen sich zwischen Präsenz und Auflösung. Mit Light Painting, langen Belichtungen, bewusster Kamerabewegung sowie Mehrfach- und Doppelbelichtungen entstehen Porträts, die Weiblichkeit als mehrdimensionalen, fließenden Zustand erfahrbar machen. Unschärfen, tiefen Schatten und präziser Lichtführung eröffnen zeitlose Bildräume jenseits des Eindeutigen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Olivia Mazzolas Fotografie bewegt sich in einem Zwischenraum: zwischen Klarheit und Auflösung, Präsenz und Andeutung. Ihre monochromen Porträts lassen Eleganz in Abstraktion übergehen und entziehen sich bewusst dem Dokumentarischen. Statt Personen abzubilden, öffnet sie Bildräume, in denen Weiblichkeit fließend, zeitlos und offen bleibt.
Zentral für ihre Arbeit ist das Spannungsfeld von Stillstand und Bewegung. Durch Unschärfe, tiefe Schatten und eine präzise Lichtführung entstehen Bilder, in denen Details nicht offenbart werden, sondern aufscheinen. Licht wirkt dabei nicht nur formend, sondern erzählerisch – als Mittel, das Sichtbare zurückzunehmen und dem Verborgenen Raum zu geben. Mazzola sucht den Moment, in dem das Motiv mehr wird als es selbst: eine Silhouette der Erinnerung, ein Bild jenseits eindeutiger Lesbarkeit.
Ihre Bildsprache ist bestimmt von dem von ihr geprägten Begriff „Eramnesía“ – dem Gefühl, in der falschen Zeit geboren zu sein, einer Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die nie erlebt wurde. Fotografie wird für Mazzola zu einem Ort dieser imaginären Zeit: einem Raum, in dem Figuren zugleich präsent und entrückt erscheinen, wie aus einem Traum herausgelöst.
Technisch arbeitet sie mit Light Painting, langen Belichtungszeiten, bewusster Kamerabewegung sowie Mehrfach- und Doppelbelichtungen. Diese Prozesse sind nicht zufällig, sondern das Ergebnis intensiver Vorbereitung und körperlicher Arbeit. Jede Aufnahme ist einzigartig, nie reproduzierbar – ein Bild, das aus der Verschmelzung von Kontrolle und Unvorhersehbarkeit entsteht.
Auch jenseits ihrer freien künstlerischen Arbeit ist Mazzola als Fotografin tätig. Ihre Erfahrung als preisgekrönte Hochzeitsfotografin – geprägt von einem diskreten, dokumentarischen Blick und einem feinen Gespür für Atmosphäre – fließt spürbar in ihre Kunst ein. Nicht das Ereignis steht im Mittelpunkt, sondern das Gefühl, das bleibt.
Olivia Mazzolas Werke laden nicht zum schnellen Sehen ein. Sie fordern ein Innehalten – und öffnen einen stillen, gefühlten Dialog zwischen Bild und Betrachtenden. Eleganz ist hier kein Stilmittel, sondern ein Zustand: flüchtig, verletzlich und von leiser Intensität.
VITA
Olivia Mazzola ist eine in Mailand lebende bildende Künstlerin und Fotografin, ausgebildet am IED – Istituto Europeo di Design. In ihrer Arbeit verbindet sie Fine-Art-Porträtfotografie mit Light Painting, langen Belichtungszeiten, bewusster Kamerabewegung sowie Mehrfach- und Doppelbelichtungen. Ihre Werke wurden international ausgestellt und ausgezeichnet, unter anderem bei den Julia Margaret Cameron Awards, den Pollux Awards und den International Photography Awards. Veröffentlichungen erschienen u. a. in Vogue, L’Oeil de la Photographie und Condé Nast Traveler.
Ausstellungen
2025
Faces – A Tribute to Maurizio Galimberti, Group Exhibition, Milan, Italy
2025
Minimalist Photography Awards Exhibition — Group Exhibition, Bergen, Austria
2024
Pollux Awards – Winners Exhibition — Group Exhibition, Barcelona, Spain, November 2024
2024
Montecchio Fotografia – “La luce scritta” — Group Exhibition, Montecchio, Italy,
2023
Imagenation New York — Collective Exhibition, New York, USA
2022
Imagenation Paris — Group Exhibition, Paris, France
2022
Onda Nuova — Online Exhibition curated by Maria Cristina Brandini (Giovanni Gastel’s curator), Italy
2021
Imagenation Milan — Group Exhibition, Milan, Italy
INTERVIEW
Picasso sagte einst, „Du machst keine Kunst, du findest sie“. Wo findest du deine Kunst? Ich finde Kunst eigentlich überall, vor allem jedoch in meinen Träumen. Ich habe eine sehr lebhafte Vorstellungskraft und bin von Natur aus neugierig. Schon als Kind hat mir meine Großmutter Märchen vorgelesen – manchmal hat sie sie frei erfunden, nur um mich zum Einschlafen zu bringen. Diese Fähigkeit zum Tagträumen und das ständige Bedürfnis, der Realität zu entfliehen, finden ihren Ausdruck in meinen größten Leidenschaften: Kunst im Allgemeinen, Malerei, Mode, Kino, Museumsbesuche und Reisen. All diese Erfahrungen nähren meine Kreativität, und es ist die Summe dieser Eindrücke und Bilder, die sich in meinem Blick widerspiegelt, wenn ich durch die Kamera schaue.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran? Am Anfang steht immer eine Idee, die ich visuell und sprachlich in einem Moodboard übersetze. Moodboards sind für mich das wichtigste Werkzeug, um Gedanken in eine visuelle Sprache zu überführen. Da ich meist im Team arbeite, ist dieser Schritt für die spätere Umsetzung essenziell. Wochen vor dem Shooting plane ich jedes Detail sorgfältig, um am Set vorbereitet zu sein. Gleichzeitig lasse ich bewusst Raum für Intuition. Da ich mit sehr experimentellen fotografischen Techniken arbeite und weniger mit klassischen Ansätzen, liebe ich deren Unvorhersehbarkeit und lasse mich gerne von ihr leiten.
Dein Lieblingsbuch? Die unendliche Geschichte von Michael Ende. Es ist die Geschichte eines Kindes, das seine Vorstellungskraft verloren hat – und eines Buches, das ihm zeigt, wie man wieder zu träumen lernt, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen? Wenn es um einen Künstler aus der Vergangenheit geht, würde ich Giovanni Boldini wählen, einen Maler der Belle Époque. Ich hätte es geliebt, ihn in seinem Atelier zu besuchen, ihm beim Malen zuzusehen, mit ihm bei einem Kaffee über seine Pinselführung zu sprechen und ihn während einer seiner Porträtsitzungen zu fotografieren.
Wie kamst du zur Kunst? Mein Vater war stets dagegen, dass ich Künstlerin werde. Deshalb arbeitete ich lange Zeit als Beraterin im Bereich Kommunikation und im Familienunternehmen. Als mein Vater vor sechs Jahren verstarb, fühlte ich mich leer und unglücklich. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich die jahrelang unterdrückte Kreativität freisetzen musste. Ich bewarb mich für ein Masterstudium in Fotografie am IED in Mailand – ein Wendepunkt, der den Beginn meines lebenslangen Weges mit der Fotografie markierte. Fotografie ist meine wahre Begleiterin, meine Obsession. Ich werde fotografieren bis zum letzten Tag meines Lebens, denn ich bereue jeden Tag die verlorene Zeit, in der ich etwas tun musste, für das ich keine Leidenschaft empfand.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich? Während meines Masterstudiums am IED hatte ich einen Professor, der mich mit seiner Anleitung entscheidend bei der Suche nach meinem eigenen fotografischen Stil unterstützte. Und natürlich meine Großmutter – die größte Liebe meines Lebens. Sie hat mich stets unterstützt, trotz aller Schwierigkeiten. Auch wenn sie heute nicht mehr bei mir ist, ist sie der Grund, warum ich fotografiere.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise? Ich würde mich als Pionierfotografin ins Paris der Belle Époque und der Piktorialismus-Ära versetzen lassen. Paris ist eine meiner größten Inspirationsquellen, und ich hätte es geliebt, mit einer Großformatkamera zu arbeiten und all jene Künstler kennenzulernen, die ich aus dieser Zeit bewundere.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst? Ich habe so viele Leidenschaften, dass es schwer ist, nur eine zu nennen. Malerei gehört definitiv dazu, ebenso das Erkunden der Natur. Da ich auch auf meinen Fotografien male, fasziniert mich besonders die Verbindung unterschiedlicher Medien, um immer wieder neue und unerwartete Ausdrucksformen zu finden.
Woran arbeitest du zurzeit? Aktuell arbeite ich an einer neuen Farbserie, die Frauen und Blumen in den Mittelpunkt stellt.
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