Die Arbeiten von Darko C. Nikolić bewegen sich im Spannungsfeld von geometrischer Abstraktion, Wahrnehmung und räumlicher Konstruktion. Farbe und Form fungieren als präzise gesetzte Impulse, durch die sich beim Betrachter visuelle Ordnung herausbildet. Das Bild wird nicht nur als Fläche verstanden, sondern als Erfahrungsraum, in dem sich beobachten lässt, wie Wahrnehmung strukturiert und gelenkt wird.
Nikolić bezeichnet seine Praxis als introspektiven Konstruktivismus. Geometrische Systeme dienen ihm nicht als Selbstzweck, sondern als Instrumente, um Prozesse der Wahrnehmung sichtbar zu machen. Linien, Flächen, klare Strukturen und Kontraste erzeugen Spannungen, die den Blick führen, ihn bündeln und räumliche Beziehungen im Blick der Betrachter:innen aktivieren.
Ein zentrales Element ist der bewusste Einsatz von Primärfarben, der an bauhausnahe Farbkonzepte wie dem Farbkreis nach Itten erinnert, das Farbe als ordnendes System begreift: Kontraste, Dynamik und Blickführung werden nicht illustrativ, sondern konstruktiv erzeugt.
Nikolićs Werke schlagen eine präzise Brücke zwischen kunsthistorischer Strenge und unmittelbarer visueller Wirkung. Konstruktive Raumkonzepte und axonometrische Denkweisen, wie sie etwa bei Theo van Doesburg angelegt sind, treffen auf Impulse der Op-Art, die den Blick in Bewegung versetzen: Flächen kippen, Formen beginnen zu vibrieren, Wahrnehmung wird zum Ereignis. An dieser Schnittstelle entfaltet sich die besondere Qualität seiner Arbeiten – zwischen Kalkulation und Sinnlichkeit. Präzision, die das Moment der Wahrnehmung nicht nur zulässt, sondern mit entwirft.
In Kooperation mit LUMAS treten Wandobjekte und Skulpturen nun in einen direkten Dialog. Was sich zuvor eher theoretisch als „Abwicklung des Raums“ beschreiben ließ, wird nun ästhetisch erfahrbar: Der Raum entfaltet sich zwischen Objekt und Fläche, und die Interaktion von Farbe, Form und Struktur wird sinnlich nachvollziehbar. Nikolić macht damit sichtbar, wie sich dreidimensionale Konstruktion in die Fläche übersetzt – und zeigen Wahrnehmung als aktiven Prozess: ein Sehen, das mitvollzieht, verschiebt, ergänzt und gestaltet.
Picasso sagte einst: „Du machst keine Kunst, du findest sie“. Wo findest du deine Kunst?Ich habe oft eher das Gefühl, dass meine Kunst mich gefunden hat.
Meine Arbeit entsteht weniger aus der Idee, etwas zu erfinden, als aus dem Versuch, etwas sichtbar zu machen, das bereits vorhanden ist. Manchmal fühlt es sich an, als würde ich Dinge freilegen oder offenbaren – nicht als würde ich sie erfinden.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Meine Arbeit folgt dem „Circle of Exploration and Creation“.
Werkreihen stellen Fragen an Wahrnehmung, Forschungszyklen untersuchen diese Fragen in vergleichbaren Bildserien. Aus den Erkenntnissen entstehen wiederum neue Werkreihen. So entwickelt sich meine Praxis als fortlaufender Kreislauf aus Exploration, Analyse und künstlerischer Verdichtung.
Dein Lieblingsbuch?
Über das Geistige in der Kunst von Wassily Kandinsky.
Es gehört zu den seltenen Büchern, die nicht nur über Kunst sprechen, sondern darüber, warum Kunst überhaupt notwendig ist.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Ich würde gern mit einem Kaffee im Unterricht von Josef Albers am Black Mountain College sitzen und einfach nur zuhören.
Mich interessiert besonders, wie er Wahrnehmung und Farbe durch präzise Übungen erfahrbar gemacht hat.
Wie kamst du zur Kunst?
Mit 13 entdeckte ich Graffiti.
Die Faszination für Gestaltung hat mich seitdem nicht mehr losgelassen – sie hat nur im Laufe der Jahre ihre Form verändert.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Ich arbeite regelmäßig mit einer Gruppe deutscher Künstler zusammen, die unter der kuratorischen Leitung von Ren Rong in China ausstellt.
Da ich der Jüngste der Gruppe bin, ist es für mich sehr wertvoll, von den Erfahrungen der anderen zu lernen und gleichzeitig meine eigene Position weiter zu entwickeln.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Zum Bauhaus in Weimar.
Mich würde interessieren, wie sich dort Kunst, Gestaltung und Denken gegenseitig beeinflusst haben.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Sport.
Basketball ist für mich ein guter körperlicher und sozialer Ausgleich zur konzentrierten Arbeit im Atelier.
Woran arbeitest du zurzeit?
An der weiteren Vertiefung und Präzisierung meiner künstlerischen Position – sowohl in neuen Werkreihen als auch in Forschungszyklen, die meine Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln.