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Andreas Wolf arbeitet mit offenen Bildprozessen. Seine großformatigen, ungegenständlichen Malereien entstehen Schicht für Schicht – aus Öl, Acryl und Sprayfarbe auf Leinwand. Die Bilder tragen keine Titel, sie folgen keinem…
Andreas Wolfs Serie „Fulcrum“ entfaltet eine dynamische Balance zwischen Farbe und Form. In kraftvollen Schichten aus Acryl, Öl und grafischen Linien entsteht ein visuelles Gleichgewicht, das zugleich Spannung und Ruhe verströmt. Die abstrakten Kompositionen lassen den Malprozess sichtbar werden: jeder Pinselstrich, jede Farbschicht verwebt sich zu einer intensiven Momentaufnahme des Schaffens. Zwischen Chaos und Klarheit changierend, lädt „Fulcrum“ dazu ein, im Farbenmeer individuelle Orientierungspunkte zu entdecken. Die Bilder sprechen von innerer Bewegung – sie sind visuelle Anker im Fluss der Wahrnehmung.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Andreas Wolf arbeitet mit offenen Bildprozessen. Seine großformatigen, ungegenständlichen Malereien entstehen Schicht für Schicht – aus Öl, Acryl und Sprayfarbe auf Leinwand. Die Bilder tragen keine Titel, sie folgen keinem narrativen Konzept. Stattdessen beginnt jedes Werk mit einem ersten Impuls: einem Punkt, einer Linie, einer Geste. Die Reaktion auf diesen ersten Moment setzt einen Dialog in Gang, der sich über Monate hinweg entfaltet – bis sich das Bild in sich schlüssig anfühlt. Ein Werk ist dann vollendet, wenn jedes seiner Elemente mit mehreren anderen in Beziehung steht – in einem feinen Geflecht visueller Verweise, das sich beim Betrachten immer wieder neu erschließt.
Die Serie Fulcrum verdichtet diesen Prozess: Die Verbindungen innerhalb der Bilder werden komplexer, die Balance zwischen Spannung und Ausgewogenheit sensibler. Der Titel, „Dreh- und Angelpunkt“, verweist auf das, was Wolf in seiner Malerei immer wieder sucht – den Kipppunkt zwischen Ordnung und Offenheit, zwischen Struktur und Intuition.
Wolf beschreibt das Malen als ein stilles, offenes Zuhören. Er wartet, bis ein Impuls vom Bild selbst ausgeht. Dafür braucht es Zeit – und eine gewisse Bereitschaft, die innere Zensur auszuschalten. „Wenn das Bild am nächsten Tag noch funktioniert, ist es schön. Wenn ich es nach einer Woche ansehe und es immer noch stimmig wirkt, dann ist es schön. Und wenn es nach einem halben Jahr immer noch etwas zu sagen hat, dann ist es fertig”, so Wolf. Oft entdeckt er beim späteren Betrachten neue Pfade im Bild – Details, die sich erst mit Abstand zeigen, oder neue Möglichkeiten, durch das Bild zu wandern. So entstehen visuelle Räume, die sich jeder finalen Deutung entziehen – und gerade dadurch darüber hinausweisen, was je hätte anvisiert werden können.
Zufall und äußere Impulse sind Teil des Prozesses: der Schatten, den die Sonne auf eine Leinwand wirft; der Flug eines Mauerseglers durchs Atelier; die Linien einer Stadt, die sich während der täglichen Fahrradfahrten wie kaleidoskopische Eindrücke in das Denken einschreiben. Manchmal liegt die nächste malerische Entscheidung bereits im Bild selbst – wie eine Spur, die plötzlich sichtbar wird.
Was Andreas Wolf sucht, ist Bedeutungsoffenheit. Seine Malerei will keine Lesart vorgeben, sondern Erfahrungsräume schaffen. Manche Betrachtende, auch der Künstler selbst, entdecken später Figuren, Gesichter oder Beziehungen – mal flüchtig, mal bleibend. Diese Wahrnehmungen können sich verändern, überlagern, auflösen. Es geht nicht um Konkretes, sondern um das Grundsätzliche. Um eine Form von Freiheit, die sich nicht festlegt – und so unaufhaltsam ihre Wirkung entfaltet.
VITA
Der deutsche Maler Andreas Wolf, geboren 1965 in Heidelberg, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler und Grafikdesigner in Berlin. Sein künstlerisches Schaffen zeichnet sich vor allem durch großformatige, ungegenständliche Leinwandbilder aus.
Geprägt von seinem Kontakt zur Kunstszene Heidelbergs während seiner Studienzeit organisiert er seit 2006 gemeinsam mit Künstler:innen und Kurator:innen Ausstellungsprojekte im In- und Ausland. Wolf ist Mitglied des Finnisch-deutschen Projektraums Toolbox und ist im Vorstand des Projektraumverband Kolonie Wedding in Berlin.
Ausstellungen
Einzelausstellungen
2022
Bild Raum | Image Space, Toolbox – Finnish-German Art Space Berlin
2021
Hinderung von Abrundungen, Kunstverein Viernheim
2019
Manchmal denke ich, ich könnte malen, Toolbox – Finnish-German Art Space Berlin, mit Ekkehard Vree
2018
ENDE.meins, Kulturpalast Wedding International, Berlin, mit Chantal Labinski
2016
Ungegenständliche Malerei, Kolonie Wedding Project Space, Berlin
Gruppenausstellungen
2024
NI versus AI (Natural Intelligence vs. Artificial Intelligence), Bas CS Gallery, Berlin
A B² C – konkret abstrakt 1, Galerie Wolf & Galentz, Berlin
The Spring Salon, Kuiperdomingos Projects, Art space 411, Amsterdam, Niederlande
ALLES VI, Studio im Hochhaus, Berlin
Bruises, Haa Galerie, Helsinki, Suomenlinna, Finnland
RE:VISION, Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Berlin
Anonyme Zeichner*innen, Kunsthaus Bethanien, Berlin
10 Jahre KEP, Berlin
Salon Kuiperdomingos Projects / Reclaim Reality, rosalux, Berlin
2023
ALLES V, Studio im Hochhaus, Berlin
Myopia, Poznan, Polen
2022
B-LA Connect, Los Angeles, USA
Handgemalt und handgezeichnet, Kulturpalast Wedding International, Berlin
Fragile, Glasfabrik Riihimäki, Finnland
2021
Inside Out, Kunstverein Tiergarten,Berlin
Kolonie Wedding | Berlin Contemporary Art in Romania, Centrul de interes,
Cluj, Rumänien
Vibrations, lAbiRynT – Festival Neuer Kunst, Słubice – Frankfurt (O)
2020
Kunst in den Gerichtshöfen, Berlin
Das letzte Bild, Prima Center Berlin
2019
Born to Be Alive, Prima Center Berlin
discovery art fair Köln, XPOST Köln
Only Echos Passing Through the Night, ODETTA Gallery, Brooklyn, New York, USA
ENERGIES & luminEscences, HLP Galerie, Wesseling
Nicht hinauslehnen, Museum of Contemporary Art Vojvodina, Novi Sad, Serbien
Kunst in den Gerichtshöfen, Berlin
Artists of Kulturpalast, Kulturpalast Wedding International, Berlin
KEP, Janusz-Korczak-Bibliothek Berlin
2018
Offene Ateliers Kunstetagen Pankow, Berlin
Showtime 2.0, Temporäre Kunsthalle Weinheim
ENDE.meins, Kulturpalast Wedding International, Berlin
Aneignung – Künstler der Kolonie Wedding, Rathausgalerie Reinickendorf, Berlin
Mr. Ira Schneider and Friends 2, Projektraum Prima Center Berlin
Mr. Ira Schneider and Friends, Projektraum unter Urban Berlin
2017
Kolonie Wedding – Contemporary Art from Berlin, Hyvinkää Taidemuseo, Finnland
Narcissus, Galerie Fonticus, Grožnjan, Kroatien
Nachstein, Toolbox – Finnish-German Art Space Berlin
Emotional Circus, Undegun Art Space, Wrexham, Wales, Großbritannien
Art Fair Suomi (Helsinki), International Contemporary Art Festival
Supermarked Art Fair, Independent Art Fair Stockholm
INTERVIEW
Picasso sagte einmal: „Du machst keine Kunst, du findest sie.“ Wo findest du deine Kunst?
Ich suche eigentlich nicht nach meiner Kunst, ich versuche nur Bilder zu malen, auf denen ich auch in einem Jahr etwas entdecken kann.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Einen Strich oder eine Farbfläche setzen, dann reagieren darauf und am Ende kommt viellecht etwas dabei heraus. Erfahrungsgemäß beginnen die Bilder irgendwann ein Eigenleben zu entwickeln, auf das ich reagiere. Kontrolliere ich das zu sehr, dann werden die Bilder langweilig, umgekehrt werden sie beliebig, wenn ich nicht wirklich konzentriert dabeibleibe und wenn ich den Bildern nicht die Zeit lasse, die sie brauchen, um interessant zu werden. Das bildliche Denken funktioniert anders als das Denken in Worten. Das ist manchmal schwer auszuhalten, belohnt einen aber auch sehr, wenn etwas plötzlich wirklich genau richtig ist.
Dein Lieblingsbuch?
Gibt es nicht, aber dafür sehr viele die ich bleibend in Erinnerung behalten habe: Antonia S. Byatt: Das Buch der Kinder; Lutz Seiler: Kruso, Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften; Neal Stephenson: The Baroque Cycle; Brigitte Kronauer: Die Frau in den Kissen; George Eliot: Middlemarch und Jeffrey Eugenides: Middlesex.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Mit Robert Motherwell hätte ich gerne mal über seinen Umgang mit Farben gesprochen.
Wie kamst du zur Kunst?
Wir hatten in der Schule einen tollen Kunstlehrer, der hat mich begeistert, dann habe ich angefangen mit Freunden zu zeichnen und mich intensiver mit Kunst zu beschäftigen.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Viele, Berlin ist voll von interessanten Menschen, daher kommen Anregungen, dann natürlich durch meine Freund:innen und Künstlerkolleg:innen, ich habe auch viel mit finnischen Künstler:innen zu tun. Aber am meisten beeinflusst mich meine Freundin, sie ist eine sehr gute Kritikerin und sehr aufmerksame und kluge Gesprächspartnerin. Sie hat einige Texte über meine Bilder geschrieben, die für mein Arbeiten erhellend waren. Im letzten Text hat sie über das Phänomen geschrieben, dass Bilder zu einem sprechen können, ein Dialog mit ihnen entstehen kann. Das erfahre ich immer wieder beim Arbeiten, zumindest dann, wenn ich den inneren Zensor ausschalte.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Ins Berlin von heute.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Ich bin ein großer Musikhörer. Von Klassik über Death Metal, Jazz, Prog Rock hin zu der Echtzeitkomposition. Der Saxofonist Harri Sjöström macht seit vielen Jahren die Konzertreihe soundscapes, da helfe ich ein wenig mit bei der Organisation und besuche selbst viele der Konzerte. Die Musikszene in Berlin ist großartig, genauso wie die Kunstszene. Miterleben zu dürfen, wenn wirklich Musik entsteht und sich etwas Neues hörbar öffnet, dafür kann ich mich begeistern. In der bildenden Kunst passiert mir das natürlich auch, aber der Prozess dahin ist ein völlig anderer.
Woran arbeitest du zurzeit?
An einem 280 x 300 cm großen Bild. Es reizt mich schon seit Längerem, mich mit etwas zu beschäftigen, was meine physische Proportion übersteigt. Ich will austesten, ob eine solche Dimension etwas an der Art verändert, wie ich Bilder aufbaue. Mein bevorzugtes Format bei den größeren Bildern hat mit meiner Körpergröße zu tun, also Bilder um die 1,9 x 2 m (Körpergröße x Armspanne).
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