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Xidong Luo erschafft fotografische Räume, in denen Realität nicht abgebildet, sondern neu gedacht wird: Die Künstlerin aus Shenzhen arbeitet mit Spiegeln wie mit Metaphern – als Fragmente einer… weiterlesen
Vita Ausstellungen Interview
Xidong Luo erschafft fotografische Räume, in denen Realität nicht abgebildet, sondern neu gedacht wird: Die Künstlerin aus Shenzhen arbeitet mit Spiegeln wie mit Metaphern – als Fragmente einer Welt, die nie nur eine Oberfläche kennt. Ihre Werke verbinden Stillleben, Selbstporträt und Symbolik zu einer Bildsprache, die ebenso poetisch wie präzise ist.
Verankert in taoistischer Philosophie („物我合一“ – Himmel und Erde existieren mit mir, alle Dinge und ich sind eins) und chinesischer Ästhetik denkt Luo das Verhältnis von Mensch und Natur als Einheit – und erforscht unsere Wahrnehmung von Zeit, Identität und Schönheit. Ihre Spiegel-Bilder nehmen Bezug auf das chinesische Idiom „镜花水月“ – „Blumen im Spiegel, Mond im Wasser“: ein Sinnbild für die Illusion des Greifbaren und die Flüchtigkeit des Schönen.
Im Zentrum: Die Vergänglichkeit der Schönheit – und die Schönheit der Vergänglichkeit. Oft verkörpert durch welkende Blüten, die zwischen Reflexionen zu Symbolen eines flüchtigen Augenblicks werden. Formal arbeitet Luo mit reduzierter Ästhetik: Eine monochrome Palette, reflektierende Flächen und organische Texturen erzeugen meditative Kompositionen, die wie Kōans wirken: still, verdichtet, rätselhaft.
Ihr kreativer Prozess beginnt lange vor dem Auslösen der Kamera: Jedes Bild ist das Ergebnis einer sorgfältigen Choreografie aus Intuition, Kontrolle und Veränderung. Luo kalibriert Licht, Spiegel und Objekt in tagelanger Präzisionsarbeit – stets im Wissen, dass der entscheidende Moment nicht beherrscht, sondern erspürt werden muss. In ihren Selbstporträts vereint Xidong Luo alle Rollen: als stille Performances, in denen sie zugleich Künstlerin, Motiv und Betrachterin ist. Ihre tänzerische Ausbildung fließt spürbar in jedes Bild ein: Jede Geste trägt Spannung, jede Bedeutung ist in Bewegung. Aus Disziplin wird eine neue Form von Zartheit – eine, in der die Stärke der Verletzlichkeit sichtbar wird.
Konzeptionell bewegt sich Luo in Zwischenräumen: zwischen dem Inneren und dem Äußeren, Selbst und Welt, Schein und Wahrheit. Ihr Anspruch an Fotografie: visuelle Kraft, emotionale Tiefe, ein Nachklang, der bleibt: „Mehrfachbelichtungen, inszenierter Surrealismus, symbolische Brechungen? Sie sind keine Zufälle – sie sind die Sprache der Offenbarung.“
Ihre Serien erkunden diese Prinzipien aus verschiedenen Perspektiven: Lotus erzählt vom spiralförmigen Tanz der Zeit: Das Annehmen der Vergänglichkeit als Berührung mit der Ewigkeit. Rite of Spring ist eine Hommage an den Frühling – seine Pracht, seine Leichtigkeit und das zyklische Wiedererwachen. Fleeting Beauty betrachtet Alter und Veränderung nicht als Verlust, sondern als Ausdruck von Wachstum, während Journey Towards Self zur stillen Innenschau wird: eine fotografische Selbsterkenntnis, eine Begegnung mit der eigenen weiblichen Identität.
„Das Leben ist eine Reise der Selbstentdeckung“, sagt Luo. Eine Reise, auf die ihre Kunst den Betrachter einlädt – die uns nicht nur Neues sehen lässt, sondern Vertrautes mit anderen Augen.
2025 | 1st Place/Conceptual Series of the Year, MonoVisions Awards
2025 | 1st Place Professional, ExposureOne Awards
2025 | Gold in Portrait, Silver in Conceptual, ExposureOne Awards
2024 | Honorable Mention, Monochrome Awards
2024 | 2nd place in Nude, Monovisions Award
2024 | Official Selection, <Searching for Peace > by IPA, USA
2024 | Nominee, 10th Fine Art Photography Awards, London
2023 | Honorable Mention + Annual Book Selection, Monochrome Awards
2023 | Honorable Mention, International Photography Awards
2023 | Shortlist + Annual Book, HAMDAN International Photography Award
2023 | 2nd place in Nude, Monovisions Awards
2023 | Honorable Mention, Julia Margaret Cameron Awards
2023 | Nominee, 9th Fine Art Photography Awards, London
2022 | Honorable Mention, Monochrome Awards
2022 | Honorable Mention, Tokyo International Foto Awards (TIFA)
2022 | 2nd place in Self-Portrait category(Pro), International Photography Awards
2022 | Shortlist, HAMDAN International Photography Award
2016 | Silver Awards, WPPI
2015 | 2nd place + Silver Award, WPPI
2010 | Top Selection, Syngenta Global Photo Contest, Switzerland
Picasso sagte einst, „Du machst keine Kunst, du findest sie“. Wo findest du deine Kunst?
Ich finde Kunst nicht – sie entsteht von selbst, so natürlich wie das Atmen. Meine Arbeit entspringt von innen, als visuelles Aufblühen meiner tiefsten Wahrnehmungen über das Dasein. Jedes Bild wird zum stillen Dialog zwischen meiner inneren Welt und den verborgenen Rhythmen des Universums.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Meine Werke entstehen meist auf zwei Arten:
1. Eingebung durch Verfall – Wenn der besondere Zustand einer verwelkenden Blume plötzlich die menschliche Sterblichkeit spiegelt. Wie Rosenblätter, die sich kringeln wie knöcherne Hände.
2. Langsame Offenbarung – Objekte, die ich instinktiv in den Bergen sammle (ein verdrehter Zweig, eine aufgebrochene Samenschote), liegen monatelang in meinem Studio, bis sich eines Tages ihre verborgene Geschichte erschließt.
Dein Lieblingsbuch?
Walden von Thoreau.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Mit Cindy Sherman – aber ich würde vor Nervosität sicher erst mal den Kaffee verschütten. Ich würde sie fragen, wie sie die Hintergrundgeschichten ihrer fiktiven Figuren entwickelt: Beginnt sie mit dem Kostüm oder mit der psychologischen Wunde? Danach würde ich ihr mein eigenes Ringen gestehen: Wenn ich Spiegel benutze, um Identität zu fragmentieren, erscheinen mir die Reflexionen manchmal realer als das Original. Vielleicht würden wir am Ende darüber diskutieren, ob jedes Selbstporträt nicht letztlich eine Fiktion ist – getarnt als Wahrheit.
Wie kamst du zur Kunst?
Ich bin Autodidaktin. Mein Weg begann als Hobby-Reisefotografin, später wurde ich professionelle Neugeborenen-Fotografin und Fotodozentin, bevor ich zur Selbstporträtkunst fand. Nach acht Jahren Reise- und Landschaftsfotografie richtete ich 2013 mein Studio ein und begann mit der professionellen Arbeit. Mein persönliches Kunstprojekt jedoch begann erst mit der COVID-19-Pandemie.
Die Isolation während des Lockdowns wurde zu meinem unerwarteten Atelier. Als sich die Welt zurückzog, schloss ich einen stillen Pakt mit Spiegeln und Wildpflanzen aus den Bergen. Keine Kundschaft mehr, keine Geräusche – nur mein Gesicht und verwelkende Blüten, die sich im Spiegel ihre Geheimnisse zuflüsterten. Diese leeren Jahre lehrten mich nicht, wie man Kunst macht – sie lehrten mich zu sehen: wie ein rissiges Blatt ein Stirnrunzeln widerspiegelt, wie Einsamkeit die Seele poliert wie Licht poliertes Silber. Als die Welt zurückkehrte, war ich Bildhauerin und Skulptur zugleich.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Ich verschwende keine Zeit mehr mit Menschen.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Ich würde 200 Jahre in die Zukunft reisen – nicht um fliegende Autos zu sehen, sondern um zu erfahren, wie sich das menschliche Verhältnis zum Tod verändert. Fotografieren wir noch Gräber, wenn der Tod optional wird? Ich würde die neuen Rituale der Abwesenheit dokumentieren – und diese „zukünftigen Reliquien“ mit zurückbringen, um die Gegenwart damit zu konfrontieren.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Die Natur und das Reisen. Sie sind die wichtigsten Quellen meiner Inspiration.
Woran arbeitest du zurzeit?
An The Lotus Chronicles: Genesis – Karma – Dharma – Samsara, einem Projekt, das ich jeden Sommer neu beginne – genau wie die ewige Wiederkehr der Lotusblüte.