Sabine Wild

Sabine Wild

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German Projections

Mit gleich drei neuen Motiven der Serie "German Projections" ist Sabine Wild vertreten. Die reisebesessene und immeraktive Künstlerin eroberte diesmal Frankfurt am Main mit drei gezielten Fotostichen ins urbane und geschichtliche Herz. Auf drei Topologien konzentrierte sie sich: Erstens auf das mittelalterliche Rathaus auf dem Römerberg, zweitens auf das himmelwärts aufstrebende Bankenviertel und drittens auf das ruhige Sachsenhausenerufer mit Blick auf den Main und die signifikante Skyline.

Gerade letzteres Bild erweist sich als ein wunderbarer Glücksfall. In die flirrende Textur der typischen Längs- und Horizontalschraffuren, die die Architekturbilder von Sabine Wild von je her bestimmen, schleicht sich eine mandelbaumartige Struktur winterlichen Geästes hinein. Das ist neu und ungewöhnlich. Denn dieses feine ins Bild wuchernde Gewebe verleiht dem gesamten Motiv eine überraschende Stabilität, die den aufragenden Maintowern am gegenüberliegenden Ufer des Flusses so nicht eigen wäre. Die horizontale Fließbewegung des Flusses und die architektonisch betonte Senkrechte werden durch diese Struktur förmlich miteinander verwoben. Der Blick wird raffiniert in die Tiefe des Raumes gezogen, wo er sich auf der Flusslandschaft ausruhen kann.

Vom hohen und schnellen Pulsschlag bestimmt, der in der Stadt des Finanzwesens herrscht, vermittelt die Bildsprache des zweiten Motivs im Gegensatz dazu einen prägnanten Eindruck. Es bildet von einem erhöhten Punkt aus vereinzelt aus der weiten Stadtfläche herausragende Maintower ab. Die signifikanten Längs- und Querschraffuren sind abwechselnd in sehr weiche und sehr harte Bildpartien gefasst. Das ist formal-ästhetische Absicht. Denn auf diese Weise wird ein virtueller Wirbel erzeugt, der den Blick in die Tiefe lockt und nebenbei als Interpretation des Finanzwesens der Stadt gelesen werden kann. Als griffen zwei schicksalhaft miteinander verwobene Kräfte im Bild ineinander, ein empfangenes urbanes Yin und ein aufstrebendes Yang.

Dagegen wirkt das dritte Motiv wie eine gotische Lichtmesse. Hier sieht der Betrachter eine klassische Ansicht des Römerberges. Die signifikanten Treppengiebel der berühmten Bürgerhäuser wirken durch Längszerrung wie transponierte gotische Säulen im Hintergrund. Helle, frische Farben dominieren. Dies ist kein Bild, in dem mittelalterliche Enge aufkommen kann, auch wenn es sich um einen ursprünglich mittelalterlichen Platz handelt. Das dunkle Pflaster nimmt die farbigen Spiegelungen der Häuser auf. Das Blau des Himmels kann ungestört durch eine Straßenflucht in die Bildmitte strömen und das Pflaster überschwemmen. Einmal mehr beweist Sabine Wild ihr feines Gespür für die Vielgestaltigkeit und verbogenen Dynamiken unserer Großstädte.

Stephan Reisner


New York Projections

Mit Sabine Wilds New York Projections wird es endlich möglich und sinnvoll, in der Fotografie den Gestus des Künstlers zu beschreiben, so wie es sich im Schreiben über die Malerei der letzten zwei Jahrhunderte eingebürgert hat. Da legt man großen Wert auf die Art des Farbauftrages, die französischen Tachisten der fünfziger Jahre machten aus der Pflicht des Malers eine Kür. Sie konzentrierten sich auf den absichtslosen Fleck (tache), den die Farbe auf der Leinwand hinterließ. Gestisch, pastos oder elegant sind die Begriffe, derer sich die Kunstkritiker im Angesicht der energetischen Pinselstriche eines Vollblutmalers wie Pierre Soulages oder des Frühwerks der amerikanischen abstrakten Expressionisten Pollock, de Kooning oder Kline gerne bedienen.

Mit den New York Projections hat Sabine Wild ihre vertikalen Werke  weiterentwickelt, sich digitalen Gestaltungsmitteln zugewandt. Mit diesen erzeugt sie eine nachhaltige Spannung, die von gegensätzlichen bildnerischen Mitteln erzeugt wird: Dunklen, horizontalen und vertikalen Linien sind leuchtende Farbpartien gegenübergestellt und aufgelöste, malerisch wirkende Passagen liegen im Widerstreit mit starren, grafischen Parzellen. Sabine Wild hat sich vom Diktat der Kamera emanzipiert, das enge Korsett der fotografischen Technik abgeworfen. Also gilt es, für diese Kunst andere Kriterien zu finden – die der Malerei.

Nach Harold Rosenberg, dem Über-Kritiker der nach dem Krieg explodierenden New Yorker Kunstszene, traten die abstrakt-expressiven Maler in einen intensiven Dialog mit der Leinwand. Rosenberg prägte den Begriff „action painting“, für ihn waren sie Künstler der Tat, Maler die keine Angst vor den Antworten auf die wilden Farbattacken hatten, die ihnen ihre Bilder gaben.

Welche Sprache sprechen die Fotografien von Sabine Wild? Am ehesten ähneln ihre großformatigen Werke dem pastosen Gestus eines Franz Kline oder des Tachisten Pierre Soulages, der Energien in horizontale und vertikale Pinselhiebe packt. Doch wo Soulages ins tiefe Schwarz driftet, trägt Wild Farbe auf. Elegant dekonstruiert sie damit urbane Architekturen.

Welche Antworten geben die New York Projections von Sabine Wild? Die Fotooberfläche fängt den Blick ein, zieht ihn in die Tiefe des Bildraumes, wie es die Furchen und Flecken von Farbe auf grober Leinwand in der Malerei tun. Ähnlich verfängt sich ein wenig Aura zwischen den malerischen Elementen der Projections, überträgt sich auf den Betrachter. Sabine Wild ist auf dem Weg, eine neue Kunstform zu erschaffen, der Fotografie eng verbunden, doch aufgeladen mit den Stärken der Malerei.

Horst Klöver


Sabine Wild, 1962 in Padua/Italien geboren und heute in Berlin tätig, löst in ihrer neuesten Serie mit Stadtbildern das "Metropolitane" auf in ein Muster von Linien, Formen und Farben. Sie übersetzt die raschen Bewegungen, das unaufhörliche Hin und Her, die schnellen Rhythmen der Städte in sekundenschnell lesbare, in ihrer Ruhe aber beharrliche und nachhaltige Bilder.

Als wäre ein zeitgenössischer Flaneur unterwegs, sind ihre Fotografien irgendwo zwischen Fata Morgana und Wirklichkeit angesiedelt. Das Flirren der Stadt suchen wir genau so, wie wir nach einem Tag voller Hektik das unstillbare Bedürfnis nach Einkehr, nach Stille im Zentrum des metropolitanen Hurrikans haben. Welche Stadt sie in ihren Bildern gebannt hat? Die Stadt an sich. Doch es sei verraten: Sabine Wilds neueste Serie schuf sie in New York City, für viele von uns immer noch die Stadt aller Städte, Kulminationspunkt für millionenfache Träume und Sehnsüchte – wenn ich es dort schaffe, schaffe ich es überall, sang einst Frank Sinatra…

Wie ein Gegenentwurf zur urbanen Metropole erscheinen ihre Waldkompositionen „Vertikale“ und „White China“, in denen sie auf verschiedenen Abstraktionsgraden Stimmungen der Jahreszeiten einfängt. Die Stille eines Wintertags zwischen jungen Stämmen oder das Frühjahrsgrün mit farbigen Tupfen einiger Spaziergänger. Was Sabine Wild hier an formalen Lösungen und impressionistischen Auflösungen, an Entmaterialisierungen und Lichtspielen entwickelt, ist dekorativ im besten Sinne. Das Rauschen und das Schweigen des Waldes hat die Fotografin souverän in visuelle Kompositionen übersetzt. Gekonnt verbindet sie die malerische Geste mit der luziden Glätte der Fotografie und schafft eine wohltuende Entspannung fürs Auge.

1962 Geboren in Padua, Italien
1985-1990Studium der Germanistik, Linguistik und Spanisch in Bielefeld, Münster, Köln und Berlin
Abschluss an der Technischen Universität Berlin mit dem Magister Artium
2006Mitgründerin der Produzentengalerie en passant
seit 2005Mitglied in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NBGK)
seit 2007Fachbeirätin für Bildende Kunst in der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderinnen e.V. (GEDOK)
2008Mitglied bei neunplus, ein Fotografenkollektiv zur Förderung von Autorenfotografie
Mit Susanne Wehr Initiatorin des Kulturrundgangs südwestpassage in Berlin-Friedenau
2009Gründung der Künstlergruppe scharli balllon mit Christina Marotzke, Andrea-Katharina Schraepler
Lebt und arbeitet in Berlin


Einzelausstellungen (Auswahl)

2012Ausstellungszyklus Dresden: Contemporary. Landscapes, Art Corporates Galerie Coselpalais, Dresden
2011Architektenkammer Nordrhein-Westfalen: Expo Shanghai
Galerie meisterschueler: "urban structures", Berlin
Kunstverein Tauberbischhofsheim e.V.: "Rasante Städte"
2010Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart, Deutschland: "Rauschen"
 Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart, Deutschland: "Stuttgart"
2008Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart, Deutschland: "sightseeing"
Wandergalerie im pa'tothom, Barcelona, Spanien, mit Matthias Hagemann: "URBAN FRAGMENTS"
Galerie en passant, Berlin: "Aufriss"
ARD-Hauptstadtstudio, Berlin: "Vertikale"
Haus der Architekten, Düsseldorf: "Freizeitarchitektur in Nordrhein-Westfalen"
2007Galerie en passant, Berlin: "fragile welten"
2006Intervision, Osnabrück: "Kindlich surreale Bilderwelten"
Fenster61, Berlin: "Suppenküche"
2005Bundesarchitektenkammer, Berlin: "Rostige Aussichten", "sinnieren über..." 


Gruppenausstellungen (Auswahl)

2012X-City, Matthias Hagemann und Sabine Wild, EMG-Art Guangzhou, China
Nature! The Mirror of Human Existence, Fotofestival, Seoul, Korea
Fremdsehen, Galerie en passant, Berlin
Those were the days – mit Wey Ye, Liu Yan, Li XinHui, Matthias Hagemann, Sabine Wild, EMG-Art Beijing
Art Karlsruhe, Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart
Schwarz, Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart
2011Giftshop Serenade - KUNSTKONTAKTER & Friends, Milchhof, Berlin
FOTO_KUNST_BÜCHER - Studio Intervision, Osnabrück
10/2011Art.Fair21, Galerie Dengler und Dengler, Köln
09/2011Menschenskinder - Wunder bei Walz. Galerie Fasanen37, Berlin
03/2011SHADOWS OF THE BRIGHT, Berlin Art Projects, Berlin
03/2011Art Karlsruhe, Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart
02/2011"Kälte" - Galerie Dengler und Dengler, Stuttgart
2011Galerie en passant: "naked" mit Susanne Wehr, Berlin
2010Art Karlsruhe, Galerie Dengler und Dengler, Karlsruhe
Art.Fair 21, Galerie Dengler und Dengler, Köln
Granollers, Spanien, Doppelausstellung mit Matthias Hagemann
Stadtatmosphäre - Bauhaus Universität Weimar zu Gast bei Kurt-Kurt, Berlin
Weihnachtsausstellung, Galerie en passant, Berlin
Europäischer Monat der Fotografie, Galerie en passant, Berlin
50 Jahre GEDOK Berlin 1960-2010, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
2009 Galerie en passant: Zwölf 2009
Action painting today, Dengler und Dengler, Stuttgart
contemporary art ruhr 09, Welterbe Kokerei Zollverein, Essen
Kunst im ARD-Hauptstadtstudio 2003-2009, Berlin
2008Berliner Liste 2008, Haus Cumberland, Berlin, Deutschland: "NY projections"
Contemporary art ruhr, Zeche Zollverein, Essen, Deutschland: "NY projections"
Fotografenmesse bild.sprachen, Gelsenkirchen, Deutschland: "Freizeitarchitektur in NRW"
3. Europäischer Monat der Fotografie, Berlin, Deutschland: "Palast der Republik"
Villa Kobe, Halle: "Salz + 16 Lösungen"
2007Verborgenes Museum, Berlin "kleine heimat - kleine fluchten" mit LU BIKS
Große Kunstausstellung Halle 2007: "tier.sein"
Galerie meisterschueler, Berlin: "8. Klasse meisterschueler: Paare"
2006Kommunale Galerie, Berlin: "A 100" mit LU BIKS
www.democratic-book.de: "pondering about…"
Große Kunstausstellung Halle 2006: "Kindlich surreale Bilderwelten"
Willy-Brandt-Haus, Berlin "Dialog Analog Digital - Synopse 06" mit LU BIKS
Galerie meisterschueler, Berlin "Kindlich surreale Bilderwelten"
Galerie en passant, Berlin: " vertikale"
Sony Center, Berlin: "Kindlich surreale Bilderwelten"
Alte Dorfkirche Zehlendorf, Berlin: "Armut vor unserer Haustür"
Bundesarchitektenkammer, Berlin: "strukturen, Palast der Republik"
Galerie meisterschueler, Berlin: "vertikale", "Palast der Republik"
Sony Center, Berlin: Video-Film "OrTungen"
2005Deutsche Fotografenmesse Fotobild `05, Berlin
Auswärtiges Amt: "Kunst kommuniziert – weltweit"


Bücher/Kataloge (Auswahl)

Collecting Fine Art Photography – Vol. II, teNeues Verlag, Kempen 2011
Creative Germany, DAAB Verlag, Köln London New York 2009

Lufthansa Exclusive 12/09: Stars von morgen: Oliver van den Berg, Sabine Wild, Franken Architekten, Damir Doma.
Collecting Fine Art Photography – Vol. I, teNeues Verlag, Kempen 2008

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