- Nürnberger Plakatsammlung
Einführung
Plakativ - Der Zauber der modernen Warenwelt
Nicht nur die schönen Künste erlebten am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Revolution der Ausdrucksformen. Auch die immer stärker werdende Werbung zeugte von gesellschaftlichen Umwälzungen und einer veränderten Wahrnehmungswelt insbesondere in den großen Städten. Fühlte sich mancher anfangs noch von „sprechenden Mauern“, riesigen Litfasssäulen und sperrigen Sandwichträgern umstellt, ließ sich bald jeder gern vom schönen Schein der zauberhaften Warenwelt verführen. Die Nürnberger Plakatsammlung, die in den 50er Jahren von Professor Georg Bergler an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Nürnberg angelegt wurde, gehört zu den größten und bedeutendsten ihrer Art. Sie versammelt über 10.000 internationale Sammlerstücke von den Anfängen der Reklame Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Gerade über die frühen Plakate kann man genüsslich ins Staunen geraten. Da ist die gebrauchstechnische Eigenwilligkeit mancher Produkte wie auch die Überraschung über noch heute existierende Hersteller. Der ästhetische Seitenblick auf die stilistische Nähe und angewandten Formensprachen der modernen Kunstströmungen lohnt sich. Ob serifenlose Typografie, perspektivisch dynamischer Bildraum, fotografische Pose oder eine geschwungene Pinselführung, die dem Jugendstil entlehnt ist – in jedem Plakat verbirgt sich eine Analogie zu den wesentlichen Stilrichtungen der Moderne. Damals wie heute nahm die Werbung die Rolle eines Formen- und Klischeeverstärkers von längst auf den Weg gebrachten formalen Stilen ein. Dies nicht nur zum speziellen Vergnügen des Konsumenten, sondern auch zur Freude eines allgemeinen Warenabsatzes.
Stephan Reisner
























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