- Marvel Collection
Einführung
“With great power comes great responsibility”
Medium und Genre des Comics erfuhren Anfang der 60er Jahre eine erhebliche Aufwertung durch eine neue Kunstbewegung: Die New Yorker Pop Art. Künstler wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol lenkten die Aufmerksamkeit absichtsvoll auf die eigenwillige Bildsprache des Comics. Von jeher bestand eine große Nähe zwischen dem Medium des Comics und der künstlerischen Avantgarde. Seither gelten viele Comiczeichner offiziell als Künstler und ihre Werke als Kunst. Erstausgaben und Originalcover erzielen hohe Preise auf Auktionen. Sie sind begehrte Sammlerobjekte und erinnern an eine Zeit, als die Welt noch durch melancholisch verliebte Superhelden, etwas schwarzen Bleistift und viel Sinn für dynamische Farbkontraste zu retten war. Doch das war zu Beginn noch ganz anders. Das neue Genre Comic musste zunächst gegen gesellschaftliche Vorurteile kämpfen und sich gegen einige vehemente Widersacher durchsetzen. In den 50er Jahren propagierte der deutsch-amerikanische Psychologe Frederic Wertham in seinem Buch „Seduction of the Innocent“ (Verführung der Unschuldigen), die populären Crime Comics seien der Grund für jugendliche Verderbnis und baldiges kriminelles Verhalten. Es dauerte einige Zeit, bis sich das Klima beruhigte. Im August 1962 betrat schließlich ein neuer Typus von Superheld die Bildfläche. Seine Größe bestand insbesondere darin, zutiefst menschlich zu sein. Er zeigte Gefühle, war mal traurig, mal verliebt, mal wütend und alles andere als unverletzlich. Im bürgerlichen Leben hieß er Peter Parker, doch die Welt lernte ihn rasch als The Amazing Spider-Man kennen. Sprunggewaltig und artistisch schwang er sich in seinem hautengen Spinnenkostüm durch die Straßenschluchten von Manhattan, dem Verbrechen und seinem Erzfeind, dem grünen Kobold, auf der Spur. Marvel holte den Kampf gegen das Verbrechen in die Mitte des amerikanischen Alltagslebens zurück, um es dort umso bildgewaltiger, realistischer und zeitnaher aufscheinen zu lassen. Für fortan 12 Cent das Heft konnten die vor Spannung platzenden Fans ihrem Helden auf Schritt und Tritt folgen. Der Rhythmus von Bild, Sprechblasen und Plot gelang. Der Held bestach durch sein unverwechselbares Image - Spider-Man ist und bleibt bis heute einer der beliebtesten Superhelden der Comicgeschichte.
Stephan Reisner
























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